Erstmals gibt es einen vollintegrierten juristischen Master innerhalb des Jurastudiums. Was macht den integrierten LL.M. „Deutsches und Europäisches Recht“ an der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) so besonders? Im Interview berichtet das Dekanat, welche Vorteile das Studienmodell bietet, wie sich nationale und europäische Rechtsfragen verbinden lassen und warum der Abschluss neue Perspektiven für die juristische Karriere eröffnet.
JURios: Die Viadrina führt als erste Universität in Deutschland einen integrierten LL.M. im Staatsexamensstudiengang Rechtswissenschaft ein. Welche Überlegungen standen hinter der Entwicklung dieses bundesweit einzigartigen Modells?
Mit dem integrierten LL.M. gehen wir einen neuen Weg in der juristischen Ausbildung. Unser Ziel war es, den klassischen Staatsexamensstudiengang sinnvoll weiterzuentwickeln und unseren Studierenden einen zusätzlichen, international anerkannten Hochschulabschluss zu ermöglichen – ohne ein weiteres Masterstudium anschließen zu müssen. Der LL.M. verbindet die bewährte Ausbildung zum Staatsexamen mit einer zusätzlichen wissenschaftlichen Qualifikation und dokumentiert die bis zu diesem Zeitpunkt des Studiums erworbenen fachlichen und methodischen Kompetenzen – unabhängig davon, ob anschließend das Staatsexamen absolviert wird.
JURios: Wie ist der integrierte LL.M. in den bisherigen Studienverlauf eingebunden? In welchen Semestern werden die zusätzlichen Leistungen erbracht, und hat dies Auswirkungen auf die Regelstudienzeit?
Der LL.M. ist vollständig in den regulären Studienverlauf integriert. Die erforderlichen Leistungen werden laut Studienverlaufsplan im Anschluss an den integrierten Bachelorabschluss vom 7. bis 10. Fachsemester im Studiengang Rechtswissenschaft erbracht; die Regelstudienzeit von 10 Fachsemestern verlängert sich dadurch nicht. Wer das Studium erfolgreich absolviert, kann neben der ersten Juristischen Prüfung auf Antrag den LL.M.-Titel erhalten.
JURios: Wer kann den integrierten LL.M. erwerben? Reichen das Bestehen der Pflichtfachprüfungen und der universitären Schwerpunktbereichsprüfung aus, oder sind darüber hinaus weitere Studien- oder Prüfungsleistungen erforderlich?
Der integrierte LL.M. richtet sich an Studierende des Staatsexamensstudiengangs Rechtswissenschaft an der Viadrina. Voraussetzung sind die im Studienverlaufsplan vorgesehene Leistungen für die universitäre Schwerpunktbereichsprüfung und eine zielstrebige Examensvorbereitung, die integraler Bestandteil des Curriculums ist. Hinzu kommt der erfolgreiche Besuch einer fremdsprachigen rechtswissenschaftlichen Lehrveranstaltung. Das Bestehen der staatlichen Pflichtfachprüfung – als solches – ist keine Voraussetzung für den Erwerb des LL.M.
JURios: Welche Abschlussleistung ist für den Masterabschluss vorgesehen? Ist eine eigenständige Masterarbeit zu verfassen, oder werden bereits im Jurastudium erbrachte
Prüfungsleistungen angerechnet?
Eine eigenständige Masterarbeit muss nicht zusätzlich angefertigt werden. Die Masterarbeit ist die bereits im Schwerpunktbereich verfasste Hausarbeit einschließlich ihrer Verteidigung. Damit vermeiden wir Doppelprüfungen und knüpfen an die wissenschaftlichen Leistungen an, die unsere Studierenden im Jurastudium ohnehin erbringen.
JURios: Der neue Studienabschluss trägt den Titel „LL.M. Deutsches und Europäisches Recht“. Welche inhaltlichen Schwerpunkte setzt das Programm, und wodurch unterscheidet es sich von klassischen LL.M.-Studiengängen?
Der integrierte LL.M. baut auf der gesamten Breite des Jurastudiums auf und verbindet diese mit einer vertieften wissenschaftlichen Auseinandersetzung im gewählten Schwerpunktbereich. Die europäische Perspektive ist dabei nicht neu dazugekommen, sondern prägt die juristische Ausbildung an der Viadrina auch im Staatsexamensstudiengang seit Jahrzehnten. Anders als klassische LL.M.-Programme ist der Abschluss vollständig in das Staatsexamensstudium integriert und kann, wie bereits ausgeführt, ohne zusätzliche Studienzeit innerhalb der Regelstudienzeit von 10 Fachsemestern erworben werden.
JURios: Welche Bedeutung messen Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber einem integrierten LL.M. bei? Gab es im Vorfeld Gespräche mit Kanzleien, Unternehmen oder Behörden, und welche Rückmeldungen haben Sie dabei erhalten?
Ein Masterabschluss dokumentiert wissenschaftliche Qualifikationen und ist auch international ein etablierter und leicht einzuordnender Hochschulabschluss. Welche Bedeutung der integrierte LL.M. künftig im Einzelnen für Arbeitgeber haben wird, wird sich in der Praxis zeigen. Wir sind jedoch überzeugt, dass die Kombination aus Staatsexamen und einem ohne zusätzliche Studienzeit erworbenen Masterabschluss für viele Absolventinnen und Absolventen einen Mehrwert bietet.
JURios: Die neue Studien- und Prüfungsordnung tritt zum Wintersemester 2026/27 in Kraft. Ist der integrierte LL.M. ausschließlich für Studienanfängerinnen und Studienanfänger vorgesehen, oder können auch bereits eingeschriebene Jurastudierende in das neue Modell wechseln?
Der integrierte LL.M. steht nicht nur Studienanfängerinnen und Studienanfängern offen. Auch bereits an der Viadrina eingeschriebene Studierende können ab Oktober von dem Model profitieren. Darüber hinaus ist das Angebot auch für Studierende anderer juristischer Fakultäten interessant, die an die Viadrina wechseln möchten. Ein Wechsel zum Erwerb des LL.M. ist, sofern die erste juristische Prüfung noch nicht bestanden oder endgültig nicht bestanden wurde und bereits ein rechtswissenschaftlicher Bachelorabschluss erworben wurde, bis zum 20. Fachsemester möglich.
JURios: Wenn Sie Studieninteressierten in wenigen Sätzen erklären müssten, warum sie sich gerade wegen dieses integrierten Bachelor- und Mastermodells für ein Jurastudium an der Viadrina entscheiden sollten – was wäre Ihr stärkstes Argument?
Die Viadrina bietet Jurastudierenden künftig ein in Deutschland einzigartiges Gesamtpaket: Auf dem Weg zum Staatsexamen können sie ohne zusätzliche Studienzeit sowohl einen integrierten Bachelor als auch einen integrierten LL.M. erwerben. Damit erhalten sie gleich drei anerkannte Abschlüsse, die ihre Qualifikation national wie international sichtbar machen und zusätzliche berufliche Perspektiven eröffnen.
Hinzu kommen die Stärken, für die die Viadrina seit vielen Jahren steht: kleine Lerngruppen, ein enges Betreuungsverhältnis zwischen Studierenden und Lehrenden sowie eine individuelle Begleitung von Studienbeginn an bis zu einer strukturierten Examensvorbereitung durch das Juristische Lernzentrum. Wer eine exzellente juristische Ausbildung mit persönlicher Förderung und innovativen Studienmodellen verbinden möchte, findet an der Viadrina ein Angebot, das es in dieser Form in Deutschland derzeit kein zweites Mal gibt.
JURios: Vielen Dank für das Gespräch
Die Fragen wurden von Michaela Ignatius, Geschäftsführerin und Studienfachberaterin im Namen des juristischen Dekanats beantwortet.


