Ein 26-jähriger Schweizer Tourist muss auf Bali für ein Jahr ins Gefängnis. Der Grund ist ein Instagram-Video, in dem er den hinduistischen Feiertag Nyepi, den sogenannten „Tag der Stille“, verspottete und zugleich gegen die für diesen Tag geltenden Regeln verstieß. Das Bezirksgericht von Denpasar verurteilte ihn im August wegen eines Verstoßes gegen eine erst kürzlich eingeführte, neue Strafnorm.
Der Schweizer war nach Angaben der Staatsanwaltschaft im Februar 2026 nach Bali gekommen. Das Personal der Unterkunft soll ihn vor dem Feiertag ausdrücklich über die besonderen Regeln informiert haben. Am 19. März, dem „Tag der Stille“, kommt das öffentliche Leben auf der Insel für 24 Stunden weitgehend zum Stillstand. Menschen sollen ihre Häuser beziehungsweise Unterkünfte nicht verlassen, Lärm vermeiden und den Tag mit Meditation und religiöser Besinnung verbringen. Auch Tourist:innen müssen sich an die Einschränkungen halten.
Der Schweizer bekam nach eigenen Angaben jedoch Hunger und war frustriert darüber, dass er seine Unterkunft nicht verlassen konnte. Er ging trotz des Verbots nach draußen und filmte sich dabei. In den anschließend auf Instagram veröffentlichten Aufnahmen machte er sich vulgär über Nyepi und die damit verbundenen Regeln lustig. Die Aufnahmen verbreiteten sich anschließend über soziale Netzwerke. In Bali lösten sie Empörung aus. Die Behörden machten den Schweizer schließlich ausfindig und nahmen ihn in einer Unterkunft in Legian fest.
Religiöse Verunglimpfung
Juristisch entscheidend war dabei nicht allein, dass der Tourist während Nyepi nach draußen gegangen war. Das Verfahren bezog sich insbesondere auf die Veröffentlichung der Aufnahmen. Das Gericht sah einen Verstoß gegen Artikel 301 des indonesischen Strafgesetzbuches von 2023. Die Vorschrift erfasst unter anderem das Verbreiten oder öffentliche Zugänglichmachen von Inhalten über Informationstechnologie, wenn diese einen religiös relevanten strafbaren Tatbestand erfüllen. Der Richter wertete die Veröffentlichung als religiöse Verunglimpfung.
Das Gericht stellte fest, dass der Tourist die Regeln des Feiertages gekannt habe und die Beleidigung des Feiertages in seinem Videos sowie dessen Verbreitung die balinesische Bevölkerung und deren Glauben verletzt habe. Die Strafe solle zugleich eine Botschaft an andere Besucher:innen sein, die örtlichen Gesetze, religiösen Normen und gesellschaftlichen Werte zu respektieren.
Das Gericht blieb jedoch unter der Forderung der Staatsanwaltschaft. Diese hatte eine noch längere Haftstrafe gefordert. Sie verlangte 15 Monate Gefängnis. Das Gericht entschied schließlich auf zwölf Monate Freiheitsentzug. Die bereits verbrachte Untersuchungshaft wird auf die Strafe angerechnet. Dabei berücksichtigten die Richter mehrere mildernde Umstände. Der Tourist war nicht vorbestraft, verhielt sich während des Prozesses respektvoll, räumte sein Verhalten ein und zeigte Reue. Er entschuldigte sich bei der balinesischen Bevölkerung und versprach, die Tat nicht zu wiederholen.
Warum Nyepi eine besondere Bedeutung hat
Nyepi ist kein gewöhnlicher Feiertag. Der „Tag der Stille“ markiert das balinesische Neujahr nach dem Saka-Kalender und gehört zu den wichtigsten religiösen Ereignissen der hinduistischen Bevölkerung Balis. Die Insel ist eine Besonderheit in Indonesien, dem bevölkerungsreichsten muslimischen Land der Welt: Auf Bali stellt der Hinduismus die Bevölkerungsmehrheit.
Während Nyepi werden Straßen und Strände leer, der Verkehr ruht und auch der internationale Flughafen Balis wird geschlossen. Die Einschränkungen gelten unabhängig von Nationalität und Religion. Für Tourist:innen bedeutet das, dass sie sich während der Feierlichkeiten grundsätzlich innerhalb ihrer Unterkunft aufhalten müssen.
Dass Verstöße gegen die Regeln nicht automatisch zu Strafverfahren führen, macht den Fall zusätzlich bemerkenswert. Laut Associated Press wurden in der Vergangenheit sowohl ausländische als auch einheimische Personen aufgegriffen, weil sie während Nyepi unterwegs waren. Diese Fälle seien jedoch gewöhnlich ohne strafrechtliche Verfolgung beendet worden. Im Fall des Schweizer Touristen kam zur Missachtung der Regeln jedoch die öffentlich verbreitete Verhöhnung einer religiösen Tradition hinzu.
Fundstelle: https://apnews.com/


