Marburger WG-Projekt: Wie lebt es sich als Jurastudent in der Social-Media-WG?

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Marburg lässt vier Studierende im Rahmen eines Social-Media-Projekts mietfrei wohnen – und Toni ist mittendrin. In der „Marburg-WG“ zeigt er seinen Uni-Alltag auf Social Media, spricht über Jura zwischen Bib und WG-Chaos und darüber, warum eine gemischte WG manchmal die beste Lernpause ist. Ein Gespräch über Kreativität, Examensstress und das Leben in einer Stadt, die kleiner wirkt, als sie sich anfühlt.

JURios: Hi Toni, du studierst Jura in Marburg und bist dort Teil eines Vorzeigeprojekts der Uni. Die Universität Marburg lässt vier Studierende kostenlos in einer WG leben, dafür sollen sie ihren Unialltag auf Social Media vorstellen. Magst Du unseren Leser:innen das Projekt kurz vorstellen?

Toni: Bei der „Marburg- WG“ handelt es sich um ein Marketing-Projekt der Uni Marburg. Neben mir sind noch drei weitere Studis im Rahmen dieses Projekts in ein Haus der Uni eingezogen. Alle vier von uns haben sich dabei gegenüber der Uni dazu verpflichtet, zwei bis drei Videos pro Woche auf den extra für uns eingerichteten Social-Media-Kanälen hochzuladen, in denen wir authentisch unser eigenes (Studi-)Leben, die Uni und Marburg als Studienort zeigen. Im Gegenzug bekommen wir die Miet- und Nebenkosten erlassen.

JURios: Wieso hast du dich damals für das Projekt beworben?

Toni: Marburg ist eine eher kleine Studi-Stadt, sodass ich nach ein paar Jahren das Gefühl hatte, das meiste gesehen zu haben. Deswegen wollte ich einfach mal wieder etwas komplett Neues machen und mich außerhalb meiner Komfortzone ausprobieren. Außerdem dachte ich, dass es eine gute Möglichkeit wäre, das Jurastudium mal aus einem anderen, etwas lockereren, Blickwinkel zu zeigen.

JURios: Du studierst schon im zehnten Semester. Wo hast Du vorher gewohnt? Und wieso hast du dich damals gerade an der Uni Marburg beworben?

Toni: Ich komme aus der Nähe von Köln und wollte nach dem Abitur mal etwas Neues sehen, also hab ich mich kurzer Hand für Marburg entschieden, da ich dort Bekanntschaft habe und dies nicht allzu weit von meiner Heimat entfernt war. Ich wollte erstmal nur vorübergehend in Marburg bleiben (bis zur Zwischenprüfung), aber es gefiel mir so gut in der Studi-Stadt, dass ich nun schon seit viereinhalb Jahren hier wohne.

JURios: Die Marburg-WG ist eine gemischte WG. Deine drei Mitbewohner:innen studieren Politik- und Medienwissenschaft, Medienwissenschaft und Soziologie sowie Biologie und Sport auf Lehramt. Kommt es da manchmal zu Reibereien?

Toni: Nicht wirklich. Man merkt zwar, dass wir alle unterschiedliche Interessen und Zeitpläne haben, aber das steht einem guten Zusammenleben nicht im Weg. Immerhin teilen wir alle auch das Interesse für Social Media und machen oft etwas zusammen, was uns eigentlich nur mehr zusammenschweißt. 

JURios: Was ist die größte Herausforderung beim Zusammenleben in eurer WG?

Toni: Wahrscheinlich die WG sauber zu halten, haha.

JURios: Jura ist im Vergleich ein extrem lernintensives Fach. Zeigen deine Mitbewohner:innen dafür Verständnis? Wo lernst du momentan am liebsten?

Toni: Meine Mitbewohner bekommen das gar nicht so mit, da wir erst nach meinem ersten Examen zusammengezogen sind. Ich musste die meiste Zeit in der WG wahrscheinlich sogar am wenigsten lernen, haha. Ich habe immer am liebsten in dem juristischen Seminar gelernt. Zuhause konnte ich mich nur schlecht konzentrieren.  In der Bib hat man den Austausch mit anderen Studierenden, aber kann trotzdem auch voll und ganz auf sich selbst fokussiert sein. 

JURios: Was empfiehlst du anderen Jurastudierenden? Lieber mit WG-Genossen zusammenleben, die auch Jura studierende oder zumindest beim Wohnen Abstand von den eigenen Kommilliton:innen halten?

Toni: In meinen mittlerweile zehn Semestern habe ich sowohl in einer kompletten „Jura-WG“, als auch als einziger Jurastudent in einer sonst gemischten WG gewohnt.  Beides hat seine Vor- und Nachteile. Zu Beginn des Studiums mochte ich so eine „Jura-WG“, da man sich stets Tipps und Hilfe holen konnte, aber mit zunehmendem Verlauf des Studiums hab ich es genossen, abseits der Bib den Kopf frei von juristischen Gedanken zu bekommen. Deswegen würde ich heute eine solche WG bevorzugen. 

JURios: Was ist dein Lieblingsfach im Studium?

Toni: Vor der Examensvorbereitung war es Zivilrecht, aber mit der Examensvorbereitung wurde es wenn ich so drüber nachdenke, Öffrecht (Verwaltungsrecht um es ein bisschen einzugrenzen).

JURios: Wo hast du deine Pflichtpraktika verbracht? Gibt es einen Geheimtipp für Marburg?

Toni: Ich habe alle Praktika außerhalb Marburgs absolviert. Einen Geheimtipp kann ich also leider nicht geben🙈

JURios: Welche Mensa und welche Bibliothek ist die beste?

Toni: Die Uni-Bib in Marburg ist in Deutschland die Beste, in der ich war. In Marburg gibt es zwei Mensen, eine in der Innenstadt und eine auf dem Campus Lahnberge. Ich gehe immer in die Mensa in der Innenstadt. Die ist auch gut. Im Vergleich zu anderen Städten finde ich die Mensen geschmacklich sehr ähnlich. 

JURios: Uni-Rep, kommerzielles Rep oder Lerngruppe? Und wieso?

Toni: Ich habe ein Jahr lang ein kommerzielles Rep besucht und ein halbes Jahr danach selbstständig und mit Lerngruppen gelernt und würde es wieder so machen. Bei den kommerziellen Reps lernt man den Stoff sehr gut in Anwendung an Fällen, hat die Möglichkeit mitzuarbeiten und Fragen zu stellen. Außerdem hat man einen gewissen Vergleich mit den weiteren Kursteilnehmern, sodass man in etwa abschätzen kann, wo man steht. Danach hat es sich zumindest für mich nochmal gelohnt, den Stoff selbstständig zu vertiefen, Lücken zu schließen und Klausuren aus dem Uni-Rep zu schreiben. 

JURios: Als Gegenleistung für das kostenlose Wohnen verpflichtet ihr euch dazu, euren Unialltag auf Social Media zu teilen. Macht das immer Spaß? Oder wird dir das auch manchmal zu viel?

Toni: Wie bei jedem anderen Job hab ich manchmal keine Lust oder keine Ideen, aber grundsätzlich mag ich es sehr, in der Erstellung der Videos frei zu sein und auch meine Zeiten für die Contenterstellung selbst einteilen zu können. Am Ende überwiegt auf jeden Fall der Spaß an der Sache. 

JURios: Jura ist nicht unbedingt ein kreatives Fach. Woher kommen deine Social-Media-Skills? Und willst du später auch mal in dieser Branche (juristisch) arbeiten?

Toni: Bereits in vergangenen Jobs habe ich oft medialen Bezug gehabt. Ich habe abseits davon schon immer gerne vor der Kamera gestanden und fand es cool, die Möglichkeit zu haben, meine Ideen zu verwirklichen und anderen zu zeigen. Bei der Erstellung von Videos habe ich in der Vergangenheit auch immer mit Freunden zusammengearbeitet. Wir haben uns zusammen das Schneiden beigebracht und angefangen, einfach irgendwelche Videos zu machen, auf die wir Lust hatten. Ich würde auch später gerne juristisch in der Branche arbeiten, würde mich dabei aber nicht festlegen, da ich grundsätzlich sehr gerne Sachen ausprobiere und mir deswegen auch andere Branchen angucken möchte.

JURios: Dein ultimativer Tipp für alle, die dieses Jahr an der Uni Marburg mit dem Jurastudium beginnen?

Toni: Guckt euch auch außerhalb des juristischen Seminars um! In Marburg kann man super leicht mit anderen Studierenden in Kontakt treten und auch coole Dinge außerhalb des Studiums machen. Das sollte man auch nutzen!

JURios: Vielen Dank für deine Zeit und viel Erfolg für die Zukunft!

Toni: Danke!

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JURios. Kuriose Rechtsnachrichten. Kontakt: redaktion@jurios.de

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