Die Anfängerhausarbeit und Klausur im Zivilrecht meistern

Die Erstellung von Hausarbeiten und das Schreiben von Klausuren bildet den Hauptbestandteil der Prüfungsleistungen im Jurastudium. Gerade am Anfang können die Anforderungen an das Erstellen einer juristischen Arbeit ziemlich überfordern. Denn die Herangehensweise an das Lösen einer Klausur oder Verfassen einer Hausarbeit wie man es aus Schulzeiten kennt, ändert sich vollkommen. Wie schafft man es also direkt bei der ersten Hausarbeit oder Klausur im Zivilrecht alles richtig zu machen und sich nicht zwischen Recherche und Formalia zu verlieren? Ein Überblick:

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Die Anfängerhausarbeit im Zivilrecht

Der Zweck einer Hausarbeit ist wissenschaftliches Arbeiten, also Recherchearbeit auf einem unbekannten Rechtsgebiet. Gerade für Anfänger:innen ist diese Aufgabe mit hohem Arbeitsaufwand verbunden, da man vor etwas völlig Neuem steht und ohne Hilfestellung die Hausarbeit schreiben muss. Oft beinhaltet der Sachverhalt der Anfängerhausarbeit im Zivilrecht bereits schwierigere Problemstellungen sowie Meinungsstreits, die genaustens herausgearbeitet werden müssen. Während der Hausarbeitsphase werden zudem keine Fragen von den Professor:innen bzw. Lehrstühlen beantwortet. Nicht umsonst wird die Bearbeitungszeit daher meist auf vier bis sechs Wochen angelegt.

Die Bearbeitung des Falles im Zivilrecht erfordert gute Organisation und logisches Denken, sowie Disziplin. Daher wird auch empfohlen vor Beginn der Anfertigung des Gutachtens eine Lösungsskizze anzufertigen. Als Faustformel könnt Ihr Euch bezüglich des Vorgehens bei einer Hausarbeit merken:

  • Sachverhalt lesen und auswerten.
  • Einlesen in das Thema/ Recherche.
  • Gutachten anfertigen!

Der zu lösende Fall besteht aus einem sog. Lebenssachverhalt, der juristisch betrachtet werden muss. Die Lösung der Problematik, die sich im Sachverhalt versteckt, muss dann im Gutachtenstil ausformuliert werden. Der Gutachtenstil besteht aus vier Schritten, die immer abgearbeitet werden müssen:

1. Obersatz

Im Zivilrecht werden im Obersatz die sog. W-Fragen gestellt: Wer (Anspruchsteller) will was (Anspruchsziel) von wem (Anspruchsgegner) woraus (Anspruchsgrundlage)?

Beispiel:
V könnte einen Anspruch auf Zahlung von 3.000 Euro gegen K aus dem Kaufvertrag über den PKW gemäß § 433 Abs. 2 BGB haben.

2. Definition

Nach dem Obersatz werden die Tatbestandsvoraussetzungen und erforderliche Definitionen genannt. Die Definition können entweder legaldefiniert im Gesetz zu finden sein, man hat sie auswendig gelernt oder man muss sich eine Definition herleiten. In der Anfängerhausarbeit im Zivilrecht entnimmst du die Definitionen einem Lehrbuch oder einen Kommentar. Achtung: Hinter jede Defininition gehört eine Fußnote mit der Fundstelle!

Beispiel:
Ein Anspruch beschreibt gem. § 194 Abs. 1 BGB das Recht, von einem anderen ein Tun oder Unterlassen zu verlangen (Legaldefinition in § 194 I BGB).

3. Subsumtion

Unter dem sog. Subsumieren versteht man das „Einordnen eines Sachverhaltes unter eine Norm“. Die Subsumtion ist der wichtigste Teil jeder Klausur und Hausarbeit. An dieser Stelle kann man die meisten Punkte sammeln. Hier ist es wichtig, schlüssig und genau zu argumentieren. Im Rahmen der Subsumtion wird der konkrete Sachverhalt auf die abstrakte Definition angewendet. Man prüft also, ob die Abläufe, Zustände und Handlungen im Sachverhalt mit der Definition vergleichbar sind. Man argumentiert zum Beispiel, warum eine bestimmte Handlung gerade die Anforderungen der Definition erfüllt oder nicht erfüllt.

4. Konklusion/Ergebnis

Im letzten Schritt beantwortet man die im Obersatz aufgeworfene Frage möglichst kurz und prägnant.

Die Prüfungsreihenfolge im Zivilrecht

Neben dem Gutachtenstil ist auch auf die Einhaltung der Prüfungsreihenfolge zu achten. Je nach Rechtsgebiet unterscheidet sich die Art der Prüfung. Im Zivilrecht ist folgende Reihenfolge einzuhalten:

1. Vertragliche Ansprüche
2. Primäransprüche
3. Sekundäransprüche
4. Quasivertragliche Ansprüche (z.B. § 280 I i.V.m. § 311 II BGB)
5. Dingliche Ansprüche (§ 985 BGB)
6. Deliktische Ansprüche (§§ 823 ff. BGB)
7. Bereicherungsrechtliche Ansprüche (§§ 812 ff. BGB)

Bei einer guten Hausarbeit sollte man versuchen, eine übersichtliche Struktur und Gliederung zu finden und einzuhalten. So verliert man selbst nicht den Überblick über wichtige Details und erleichtert den Korrektor:innen das Lesen der Arbeit, sodass sie Deinem Gedankengang einfacher folgen können und Deine Argumente besser nachvollziehen. Was schlussendlich auch ein Vorteil bei der Benotung sein kann. Es ist daher immer ratsam, den Gutachtenstil und die Prüfungsreihenfolge stets einzuhalten und jede Ebene des Gutachtens auch wieder abzuschließen, also nach einer Subsumtion beispielsweise immer auch an ein Zwischenergebnis zu denken und Abschnitte nicht zu überspringen.

Formalia der Hausarbeit im Zivilrecht

Fehler bei der Formatierung sind die ersten Fehler, die den Korrektor:innen auffallen. Deswegen sollte man hier besonders sorgfältig vorgehen. Denn eine Hausarbeit muss neben der eigentlichen Fallbearbeitung auch eine bestimmte äußere Form haben. Die Hausarbeit besteht aus:

1. Deckblatt (ohne Seitenzahl)
2. Sachverhalt (römische Seitenzahlen, beginnend mit II.)
3. Inhaltsverzeichnis/Gliederung (fortlaufende römische Seitenzahlen)
4. Literaturverzeichnis (Seitenzahlen fortlaufend nach dem Inhaltsverzeichnis)
5. Lösung bzw. Fallbearbeitung (arabische Seitenzahlen, beginnend mit 1)
6. Versicherung der eigenständigen Anfertigung und die ausschließliche Verwendung der angegebenen Quellen
7. Unterschrift.

Soweit im Bearbeitervermerk der Hausarbeit zu den Formalien nichts anderes angegeben ist, gilt:

Am Anfang des Studiums werden oft für Erstis Kurse Universität für die Erstellung von Hausarbeiten angeboten. Diese solltest Du unbedingt besuchen, da Du dort die Grundlagen für die Erstellung einer Formatvorlage in Word lernst und so am Ende Problemen mit Rändereinstellungen und fehlender Seitenzahlen umgehen kannst.

Die Recherche für eine Hausarbeit

Eine gelungene Hausarbeit basiert auf ausführlicher und intensiver Recherche und Auswertung möglichst vieler Quellen. Bei einer Hausarbeit darf und muss man sich fremder Gedanken bedienen. Alle Zitate müssen jedoch für die Leser:innen unbedingt als solche erkennbar und überprüfbar sein. In juristischen Arbeiten werden wörtliche Zitate vermieden. Man formuliert dabei sinngemäß und in indirekter Rede. Zitiert wird durch eine Fußnote, die die Quelle der Textstelle angibt. Alle Angaben der Fußnoten, mit Ausnahme von Gesetzen und Urteilen, müssen zudem im Literaturverzeichnis aufgeführt werden.

Dafür benötigt man die passende Literatur, in Form von Kommentaren, Lehrbüchern, Dissertationen, Festschriften/Zeitschriften und Gerichtsurteilen. Diese findet man in der Bibliothek oder über Onlinedatenbanken, wie Beck-Online und Juris. Natürlich kann auch eine gute Google-Recherche erste Anhaltspunkte liefern. Allerdings sollte man immer darauf achten keinesfalls Literatur oder Seiten zu verwenden, die nicht zitierfähig sind, so z.B. Fallbücher und Skripte.

Abschließend ist einer der häufigsten Fehler zu nennen: die Schwerpunktsetzung. Dies passiert oft, weil der Fallfrage im Zivilrecht selbst nicht genug Beachtung geschenkt wird. Diese eröffnet jedoch den Blick auf sich ggf. stellende Anschlussprobleme. In der Hausarbeit im Zivilrecht sollte die meiste Energie in problematische Punkte investiert werden. Unproblematisches kann und muss also kurz abgehandelt werden. So erkennt der:die Korrektor:in, dass Du die Hauptprobleme der Hausarbeit erkannt hast und die richtigen Ansprüche/Meinungsstreits herausarbeiten konntest.

Tipp: Speichere die Hausarbeit immer zwischendurch ab, schicke sie Dir auch per Mail oder sichere sie auf einem USB-Stick. Nichts ist so ärgerlich, wie Zeit und Mühe zu investieren und dann durch einen leeren Akku oder eine kaputte Festplatte die ganze Hausarbeit zu verlieren.

Die Anfängerklausur im Zivilrecht

Grundsätzlich gelten die oben genannten Tipps für die Erstellung einer Hausarbeit im Zivilrecht auch für die Anfängerklausur im Zivilrecht. Der Sachverhalt der Anfängerklausur ist im Gegensatz zur Hausarbeit jedoch auf zwei Stunden ausgelegt und hat im Vergleich zum Sachverhalt einer juristischen Hausarbeit weniger versteckte Probleme. Bei einer Klausur, soll vielmehr die Fähigkeit, dein Wissen auf unbekannte Sachverhalte anzuwenden, abgerufen werden. Doch auch hier verstecken sich Punkte, an denen die Bearbeitung einer gelungenen Klausur im Zivilrecht scheitern kann und die unbedingt zu beachten sind.

1. Erstellung einer Lösungsskizze,
2. Zeitmanagement,
3. Kein Abladen von Lehrbuchwissen,
4. Formalia,
5. Korrekturlesen.

Zunächst solltest Du immer als Erstes die Fallfrage lesen! Erst nachdem Du das getan hast, kannst Du nun den Sachverhalt lesen. Dies wird Dir helfen zu verstehen, worauf der Sachverhalt abzielt und in welche Richtung die Lösung der Anfängerklausur im Zivilrecht gehen soll. Während Du den Sachverhalt liest, kannst Du Dir auch bereits Markierungen machen oder kleine Randnotizen.

Wichtig ist auch eine Lösungsskizze. Skizziert schemenhaft die Lösung auf ein Blatt Papier; dies wird Dir dabei helfen, den Schwerpunkt nicht aus den Augen zu verlieren und spart bei der Niederschrift Zeit. Und Zeit ist hier ein besonders wichtiger Faktor. So manch ein:e Student:in ist am Ende der Klausur frustriert, weil die Zeit davonrennt und am Ende mehrere Tatbestände nicht geprüft werden konnten.

Hilfreich ist auch, wenn Du nicht einfach auswendig gelerntes runterschreibst, sondern präzise am Fall arbeitest. Damit sparst Du nicht nur Zeit, sondern zeigst auch, dass Du richtig subsumieren kannst.

Achte beim Schreiben auf eine einigermaßen leserliche Handschrift. Grundsätzlich gilt: je verständlicher Dein Schreibstil, Deine Schrift und Deine Gliederung ist, desto einfacher kann euch der:die Leser:in folgen. Am Ende der Klausur solltest Du nicht vergessen, zu unterschreiben und anzugeben, dass Du die Bearbeitung beendest hast. Les Dir nochmal Deine Lösung durch und korrigiere ggf. Rechtschreibung und Unstimmigkeiten. Eine Vielzahl an Kreuzchen und Sternchen, sowie Durchstreichungen sollte jedoch im Rahmen einer guten Lesbarkeit vermieden werden.

Fazit: Du schaffst das!

Die Klausur- und Hausarbeitsphase ist eine stressige Zeit. Wenn Du jedoch gut vorbereitet an Beides herangehst und Fehlerquellen vermeidest, musst Du keine Angst davor haben. Hilfreich kann es auch sein, Lerngruppen zu bilden oder sich mit Kommiliton:innen über den Sachverhalt auszutauschen. Auch solltest Du unbedingt alle Angebote, wie Klausurtraining oder Kurse zur Erstellung einer Hausarbeit an Deiner Universität wahrnehmen. Und bevor Du Dich versiehst, ist die Anfängerhausarbeit im Zivilrecht und die dazugehörige Klausur im Zivilrecht auch schon bestanden!

Viel Erfolg!


Zum Weiterlesen:
https://www.juraindividuell.de/
https://www.talentrocket.de/
https://www.niederle-media.de/
https://iurratio.de/

Jana Borochowitsch
Jana Borochowitsch
Autorin, Studentin der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn.

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