Luftgewehrschuss auf Katze keine Tierquälerei

Wird eine Katze mit einem Luftgewehr angeschossen, stellt dies keine strafbare Tierquälerei dar. Das hat das Landgericht Frankfurt a.M. entschieden. Das Urteil aus dem Dezember 2020 sorgte im Internet für einen empörten Aufschrei. Zu Recht?

Die Staatsanwaltschaft klagte einen 52 Jahre alten Mann aus dem hessischen Eppstein an, weil er mit einem Luftgewehr mehrmals auf die Katze seiner Nachbarin geschossen haben soll. Bewiesen werden konnte dies, weil ein Tierarzt bei einer Röntgenuntersuchung im Körper der Katze ein Geschoss fand, das aus ebenjenem Luftgewehr des Mannes stammte. Die beiden Nachbarn hatten sich bereits zuvor in einem Dauerstreit befunden.

Keine “erheblichen Schmerzen”

Das Amtsgericht Frankfurt a.M. hatte den Mann in erster Instanz wegen Tierquälerei zu einer Geldstrafe in Höhe von 16.100 Euro (70 Tagessätze zu je 230 Euro) verurteilt. Die zweite Instanz schloss sich dieser Ansicht jedoch nicht an. Das Langericht Frankfurt a.M. verurteilte den Mann lediglich wegen Sachbeschädigung zu einer Geldstrafe von 1.950 Euro (30 Tagessätze zu je 65 Euro). Die Richter:innen begründeten dies mit einem Sachverständigengutachten. Laut diesem stellt ein Schuss aus einem Luftgewehr lediglich eine “leichte bis mittelschwere Beeinträchtigung” des Tieres dar. Für eine Verurteilung wegen Tierquälerei müssten allerdings “erhebliche Schmerzen” verursacht worden sein, heißt es in der Urteilsbegründung. Nach § 90a BGB sind Tiere zwar rechtlich keine Sachen, sie werden aber wie solche behandelt.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Der Straftatbestand der Tierquälerei ist in Deutschland in § 17 TierSchG geregelt. Dort heißt es: “Mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer 1.ein Wirbeltier ohne vernünftigen Grund tötet oder 2.einem Wirbeltier a) aus Rohheit erhebliche Schmerzen oder Leiden oder b) länger anhaltende oder sich wiederholende erhebliche Schmerzen oder Leiden zufügt.”

Getötete Tierbabys und Kaninchen

Gerichtsentscheidungen zu § 17 TierSchG sind oft genauso brutal wie kurios. Wir haben zwei für Euch herausgesucht:

2008 entschieden der Direktor des Magdeburger Zoos und drei seiner Mitarbeiter, Tigerbabys kurz nach ihrer Geburt zu töten. Die drei Jungtiere waren aus ihrer Sicht für die Zucht nicht geeignet, weil ihr Vater kein reinrassiger sibirischer Tiger ist. Nach Auffassung des AG Magdeburg haben die Männer mit ihrer Entscheidung gegen das Tierschutzgesetz verstoßen. Das Gericht sprach eine Verwarnung aus. Die Richter:innen urteilten: “Bei der Tötung gesunder Nachkommen eines Tieres kann kein triftiger, einsichtiger und von einem schutzwürdigen Interesse getragener Grund für die Tötung bejaht werden, allein weil diese nicht artenrein und damit unerwünscht sind oder wirtschaftliche Hindernisse bestehen. In Zoos hat die Zuchtplanung so zu erfolgen, dass die Unterbringung der Nachkommen in jedem Fall gesichert ist.”

Im Jahr 2006 lud eine Hinterhofgalerie in Berlin zu einer Performance mit dem Titel “Das Ableben des Hasen”, bei der zwei weiße Kaninchen getötet wurden. Mit der Frage, ob dies einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz darstellt, mussten sich im Folgenden mehrere Instanzen beschäftigen. Das Kammergericht Berlin urteilte: “Das Töten zweier Kaninchen durch Genickbrechen und Abschlagen der Köpfe im Rahmen einer Kunstinszenierung kann bei Vorliegen weiterer Umstände, die den Akt der Tötung in den Vordergrund stellen, indem diese gleichsam zelebriert und dem Publikum die Leichtigkeit der bewussten Tötung von Tieren der betroffenen Art vor Augen geführt wird, zur Bewertung des Vorgangs als sinnlose Tötung im Sinne des § 17 Nr. 1 TierSchG führen.”


Fundstelle: LG Frankfurt a. M., Urt. v. 09.12.2020, Az. 8910 Js 205306/18

Clara Mueller
Clara Mueller
Jurastudentin, Schwerpunkt: Verwaltungsrecht, Promi Tratsch&Klatsch, Hundemama.

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