Wie der Name „Ballermann“ einen Jurastudenten zum Millionär machte!

1994 reiste ein Jurastudent aus dem Ruhrgebiet nach Mallorca, feierte in der Bar „Ballermann 6“ nahe Palma und war wenige Jahre später Millionär. Der gewitzte Geschäftsmann hatte sich die Namensrechte sichern lassen. Und genießt nun die Lizenzgebühren.

André Engelhardt studierte wie so viele von uns Jura. 1994 musste er eine Zivilrechtshausarbeit schreiben – das kommt uns ebenfalls allen bekannt vor. Das Thema: Markenrecht. Um sich von den Strapazen des Jurastudiums zu erholen und seine gute Note zu feiern, reiste Engelhardt – wie soviele Deutsche jedes Jahr – nach Mallorca. In der Strandbar „Ballermann 6“ feierte er zusammen mit Hunderten anderen deutschen Tourist:innen. Und betrank sich – dazu sagt man in Deutschland auch: „Sich etwas hinter die Binde ballern“.

Marke für “Herstellung und Vertrieb alkoholischer Getränke”

In Deutschland selbst war die Bezeichnung „Ballermann“ damals noch eher unbekannt. Doch Engelhardt war sich sicher, hier etwas ganz Großem auf der Spur zu sein. Seine Hausarbeit im Markenrecht brachte ihn auf die Idee, sich die Bezeichnung „Ballermann“ schützen zu lassen. Im Jurastudium hatte er gelernt, dass das neue Markenrecht ab dem 1. Januar 1995 auch Privatpersonen erlauben würde, sich Namen schützen zu lassen. Gesagt getan: Engelhardt kauft sich für 800 DM die Rechte an dem Namen (Marke Nr. 2 912 542).

Eigentlich wollte André Engelhardt unter dem Namen Ballermann 6 eine Kneipe in Hamm eröffnen. Doch daraus wurde nichts: zu kostspielig. Also produzierte der damals 34-Jährige kurzerhand „Ballermann-Schnaps“. Die BILD wurde auf den Schnaps aufmerksam und machte das Getränk zu einem Kassenschlager. Rund 20.000 Partyfans kamen zur ersten Ballermann-Party, die Engelhardt in Essener organisiert.

Doch die Millionen stecken an anderer Stelle! In den Lizenzen für die Verwendung des Namens “Ballermann“. Zunächst kümmerte sich der Jurastudent selbst um die Lizenzen, später verdient er genug, um Anwält:innen zu engagieren, die sich um das Geschäft kümmern. Rund 400 Prozesse hat Engelhardt nach eigenen Angaben schon geführt – und alle gewonnen. Im Jahr 2000 entschied sogar der Bundesgerichtshof (BGH, Urteil vom 24. 2. 2000 – I ZR 168/97). Das Ober­lan­des­ge­richt Mün­chen hat mit Ur­teil vom 27. September 2018 die Mar­ken­rech­te an der Be­zeich­nung “Bal­ler­mann” be­stä­tigt (Az. 6 U 1304/18 ).

Ballermann machte die Engelhardts zu Millionären

Und auch persönlich lief es bei Engelhardt rund. 1996 lernte er seine große Liebe Annette auf Mallorca kennen. Das Paar heiratet und kümmert sich gemeinsam um die Marke „Ballermann“. Der endgültige Durchbruch kommt, als Tom Gerhardt auf Mallorca seine Film-Komödie „Ballermann 6“ dreht. Auch hierfür regnete es Lizenzgebühren. Inzwischen sind Engelhardt und seine Frau Millionäre. Doch die ursprüngliche Strandbar spielt nicht mehr mit. Der Inhaber gab den Namen „Ballermann 6“ auf und nannte sich fortan „Balneario 6“, seit 2017 “Beach Club Six”.

Sowohl in Deutschland als auch auf Mallorca verkaufen die Engelhardts bis heute die Lizenzen für „Ballermann“. Insgesamt besitzt das Paar inzwischen 16 Ballermann-Lizenzen. Und die Engehardts gehen hart gegen alle vor, die die Marke unerlaubterweise nutzen. „Verteidigen“, nennt das Paar dieses Vorgehen. Seit 15 Jahren haben die beiden Diskos „Ballermann 6“ in Düsseldorf und Mülheim a.d. Ruhr bereits eine Dauer-Lizenz. Für Partys, die unter dem Namen Ballermann laufen, nehmen die Engelhardts 1,50 Euro pro Besucher, mindestens aber 750 Euro. Gegenüber dem Blog Travelbook sagen die Engelhardts: „Was wir verkaufen, ist ein Lebensgefühl.“ Auf Mallorca war das Paar aber schon mehrere Jahre nicht mehr – die Geschäfte in Deutschland gehen vor. Auf ihrer “Ballermann Ranch” in Niedersachsen betreiben die Engelhardts unter anderem einen Gnadenhof.


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