Wie DU das Jurastudium mit Prädikat abschließt oder das Geschäft mit den Jura-Coaches

Das Jurastudium ist bekanntlich eines der anspruchsvollsten Studiengänge Deutschlands. Beginnend mit der Vorbereitung zum ersten Staatsexamen findet der juristische Werdegang erst mit dem zweiten Staatsexamen sein Ende. Danach stehen Volljurist:innen viele Wege offen. So weit so klar, doch ist der Weg bis zum zweiten Staatsexamen überwiegend hart, nervenaufreibend, zeitlastig und eine enorme Belastung für das individuelle Privatleben.

Bekannt ist auch, dass ein Abschluss (sowohl im ersten als auch zweiten Staatsexamen) im Prädikatsbereich (9 Punkte) DAS erwünschte Ziel vieler Personen ist, um in einem der begehrten Beruf (z.B. Großkanzlei oder Justiz) Fuß zu fassen. Dass das Ziel „Prädikat“ teils auf subjektiven Korrekturempfindungen und auch dem „Glück“, dankbare Sachverhalte zu erhalten, beruht, ist ebenfalls bekannt. Viele Jurastudierende erkundigen sich deswegen innerhalb ihrer Examensvorbereitung in diversen Foren oder Instagramprofilen, wie man das beste Ergebnis erzielen kann (Lerntechnik, Klausurenschreiben etc.), um eben DAS Ziel „Prädikat“ zu erhalten.

So stößt man nicht selten auf Instagramseiten oder Youtube-Kanälen, bei der Personen (offensichtlich bereits Volljurist:innen) dem Leser oder der Zuschauerin suggerieren, dass gerade IHRE Methode hilft, das große Ziel zu erreichen. Das gerade SIE die Fähigkeit haben, dem hilflosen Jurastudierenden in der Examensvorbereitung zu helfen und das gerade SIE geeignet sind, DIE effektive Lerntechnik zu bieten. Es ist die Rede von sog. „Jura-Coaches.“

Was sind eigentlich „Jura-Coaches“?

„Jura-Coaches“ sind Voljurist:innen oder Diplomjurist:innen und insbesondere in den sozialen Medien dafür bekannt, gewisse Themen anzusprechen, die die Sorgen und Ängste der Jurastudierenden explizit betreffen wie:

  • Wie viele Probeklausuren sind zu schreiben, um im Examen erfolgreich zu sein?
  • Wie wiederhole ich effektiv?
  • Was tue ich einige Wochen/Tage vor dem Examen?
  • Was ärgert die Korrektor:innen besonders?

Jura-Coaches versprechen – gegen Entgelt – Hilfe beim Bestehen des Staastexamens oder beim Erreichen einer bestimmten Note. Dabei ist der Begriff “Jura-Coach” keine geschützte Berufsbezeichnung. Jede:r kann sich “Jura-Coach” nennen – es ist keine besondere Ausbildung dafür erforderlich. Das eröffnet Missbrauch Tür und Tor.

Gewiss begleiten die oben genannten Fragen und viele weitere alle Jurastudierenden durch die gesamte Examensvorbereitung. Nicht selten werden Beiträge von „Jura-Coaches“ so dargestellt, dass möglichst viele Jurastudierende sich dadurch angesprochen fühlen. Meist in Kombination mit völliger Hilflosigkeit in der Examensvorbereitung, der teils unüberwindbaren Stoffmenge und den ständigen Zweifeln über den persönlichen Erfolg, ist der „Jura-Coach“ ein Synonym für „Diese Person könnte mir wirklich helfen“. Gerade diese emotionale Notlage vieler Jurastudierenden nutzen die meisten „Jura-Coaches“ aus.

Wie läuft das Coaching ab?

Interessierte kontaktieren die „Jura-Coaches“ per Instagramnachricht oder per Mail mit dem Zweck, ggf. Tipps für die persönliche Examensvorbereitung zu erhalten. Die Antwort lautete dann oft: „Buch doch gerne eine Session bei mir, bei der ich dein Anliegen überprüfe und dir sodann einen Preis in Rechnung stelle.“

Ziemlich verwundert über diesen Satz, zumal bei den meisten „Jura-Coaches“ nicht offenkundig dargelegt wird, dass deren „Hilfe“ eine kostenpflichtige Dienstleistung darstellt, kommt es nun darauf an, wie der Jurastudierende damit umgeht.

Die eine Person ist verzweifelt und bucht eine kostenpflichtige „Session“. Doch keiner weiß vorab, was Inhalt dieser „Session“ ist und ob sie den Interessierten überhaupt einen Mehrwert bringt. Die andere Person sieht es nicht ein, die „Katze im Sack“ zu kaufen (wie es die Autorin letztlich getan hat) und hinterfragt das Geschäftsmodell der „Jura-Coaches“. Oftmals wird auf eine ablehnende Antwort dann nochmals Druck durch die “Coaches” ausgeübt und der Interessent weiter bedrängt.

Ein verwerfliches Modell

Wie eingangs erwähnt, ist das Jurastudium kein Zuckerschlecken und vor allem sehr langatmig. In der Examensvorbereitung geht nichts ohne einen straffen Lernplan. Weiterhin ist der Austausch mit Dozent:innen, Kommiliton:innen oder anderen Personen förderlich, um auch das Erlernte zu vertiefen, zu verarbeiten und zu hinterfragen. Im Laufe dieser Vorbereitung jedoch will man wissen, wie es effektiver geht, wie man bessere Noten schreibt und wie grundsätzlich alles optimaler ablaufen kann. Dieser Wunsch ist ganz normal.

Die „Jura-Coaches“ haben selbst den juristischen Werdegang absolviert und wissen um die Anforderungen. Ist es damit dann nicht verwerflich, sein eigenes „Erfolgsempfinden“ auf Kosten von meist nervlich und psychisch belasteten Jurastudierenden zu vermarkten? Ist es nicht verwerflich, wenn solche „Coaches“ erfolgsversprechende Lernpläne, Klausurenanalysen und ähnliches gegen Entgelt bewerben und zu oft hohen Preisen verkaufen?

Und vor allem stellt sich die Frage, wieso man die Phase der Examensvorbereitung, bei der bekanntlich die meisten auf jede Hilfestellung angewiesen und vor allem dankbar sind, ausnutzt, um eben benannte Punkte zu vermarkten? Was spricht dagegen, den Interessierten zumindest vorab genau aufzuschlüsseln, welche Leistungen sie zu welchem Preis erhalten?

Weiterhin Angst und Stress

Nicht erwähnt werden von den “Jura-Coaches” außerdem die weiterhin ständig vorhandenen Zweifel, Ängste und das allgemeine Stressempfinden. Denn das eigentliche Lernen kann einem auch das beste Coaching nicht abnehmen. Und trotz “Sessions” besteht weiterhin die reale Gefahr des Durchfallens.

Eine solche Phase mit Erwähnung der Belastungen auszunutzen, um die verzweifelten Gruppen anzulocken und dann mit einer oft undefinierbaren Leistung zu einem häufig intransparenten Preis zu „beraten“, ist höchst verwerflich. Denn bei diesem Arrangement profitiert nur einer Person – der „Jura-Coach.“

Ich empfehle Euch deswegen die unieigene Studienberatung oder die offene Sprechstunde bei Euren Professor:innen. Vergiss nicht, dass Du nicht alleine bist. Tausche dich aktiv (und kostenlos) mit Deinen Kommiliton:innen aus, hole Dir Unterstützung bei Freund:innen und gib kein Geld für zweifelshafte “Coaches” aus.


Die Autorin dieses Beitrages ist Jurastudierende an einer Universität in Nordrhein-Westfalen und hat persönlich schlechte Erfahrungen mit einigen „Jura-Coaches“ gemacht. Mit diesem Beitrag sind selbstverständlich nicht ausnahmslos alle “Jura-Coaches” gemeint.

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Redaktion
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JURios. Kuriose Rechtsnachrichten. Kontakt: redaktion@jurios.de

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