In 7 Schritten zum Horrorstudium Jura

Für das Jurastudium existiert ein fast unüberschaubarer Berg an Ratgeberliteratur. Neben den (meist aber nicht immer) wertvollen Tipps der Professor:innen und Praktiker:innen gibt es inzwischen auch noch unzählige Meinungen in den sozialen Netzwerken. Jede Person, die das Jurastudium erfolgreich durchlaufen hat, meint den nachfolgenden Generationen Ratschläge erteilen zu müssen. Wir drehen den Spieß um und fragen stattdessen: Was macht das Jurastudium garantiert zum Horrorstudium?

Einzelkampf – wer braucht schon Freund:innen?

Am Ende steht das Examen. Und wer hier gut abschneiden will, muss kämpfen. Am besten schwächst Du Deine Kontrahend:innen bereits in den ersten Semestern. Wer verletzt zum Kampf antritt, hat einen entscheidenden Nachteil. Und davon profitierst dann DU! Denke überhaupt nicht daran, das Wort „Freund:innen“ oder „Kommiliton:innen“ in Deinen Wortschatz aufzunehmen. Am Ende sind die Menschen in Deinem Umfeld sowieso nur falsche Schlangen. Für Dich bedeutet das: Wenn andere Seiten aus Büchern reißen oder wichtige Aufsätze verstecken, musst Du das ebenfalls tun. Sonst erleidest Du bereits im Studium einen entscheidenden Nachteil. Gemeinsam an Hausarbeiten kniffeln oder Lerngruppen planen? Das ist doch nur dazu da, um Dich auszuspionieren und Deine Lösungsskizze zu klauen. Lass Dich darauf gar nicht erst ein – das gilt auch für den vermeintlich harmlosen Kaffee in der Mittagspause. Mache nicht den Fehler, zu denken, das Jurastudium sei ein Teamsport. Am Ende erreichen nur die Besten das begehrte Prädikatsexamen – und Du wirst diese Person sein.

Urlaubssperre – nur die Harten kommen in den Garten!

Urlaub? Ist was für Luschen. Nur Anfänger:innen und Schwächlinge brauchen Erholung vom Jurastudium. Du arbeitest durch! Im Semester genauso wie in den Semesterferien. Das bringt Dir einen entscheidenden zeitlichen Vorteil. Während sich Deine Kommiliton:innen in Malle die Birne wegsaufen, lernst Du schon Mal die forderungsentkleidete Hypothek für das nächste Semester. Während die Mädels links und rechts von Dir jedes Wochenende im Spa verbringen, sitzt du in der Bib und lernst. Denn Dir ist klar: Nur die Harten kommen in den Garten! Das Rumgeheule über mentale Gesundheit hängt Dir schon nach einem Monat zu den Ohren raus. Wer zu schwach für ein Jurastudium ist, soll halt soziale Arbeit studieren oder Lehrer:in werden. In der Berufswelt wird später niemand fragen, ob man gerade Kopfschmerzen hat oder Dein Meerschweinchen gestorben ist. Du weißt, wie der Hase läuft, und bereitest Dich bereits jetzt auf die Arbeitswelt vor.

Tellerrand – Scheuklappen auf und durch!

Du bist hier, um Jura zu studieren. Und nichts anderes. Das ist Deine Prämisse. Studium generale, Law Clinic oder Moot Court? Mit solchen Kindereien kannst Du nichts anfangen. Die Welt braucht Spezialisten und keine Generalisten. Du weißt seit dem Abitur, dass Du Anwältin oder Anwalt in einer Großkanzlei werden willst. Diesen Karriereweg verfolgst Du unnachgiebig. Alles, was Dir dabei im Weg steht, wird gnadenlos beseitigt. Auf Ablenkungen lässt Du Dich gar nicht erst ein. Allgemeinbildung? Die hast Du in der Schule ausreichend gelernt. Soziale und kulturelle Kompetenzen? Stehen Dir als unnachgiebiger Star-Anwalt nur im Weg. Du lernst genau das, was in der Prüfungsordnung steht. Denn darauf kommt es im Examen an und die Examensnote ist das, was später zählt. Im Gegensatz zu Loser-Jurist:innen mit einen Vierpunkte-Schnitt benötigst Du keine billigen Soft-Skill-Zertifikate, um Deinen Lebenslauf zu beschönigen. Denn der ist geradlinig und perfekt. Sollte Dir doch mal ein Thema begegnen, das Dein Interesse weckt, wird es ignoriert. Damit kannst Du Dich auch noch beschäftigen, wenn Du in Rente gehst.

Ratschläge – auf keinen Fall befolgen!

Mit hochgezogener Augenbraue stehst Du im Buchladen vor dem Regal mit Ratgeberliteratur. Wer braucht schon einen Ratgeber für das Jurastudium? Was soll da drinstehen, das Du nicht schon längst weißt? Sicherlich nur rausgeworfenes Geld. Das gleiche gilt für gutgemeinte Tipps und Empfehlungen Deiner Professor:innen und Deiner Kommiliton:innen. Deine Mitstudierenden haben doch sowieso von Nichts ‚ne Ahnung. Wie sollen sie auch mehr wissen als Du? Ihr habt schließlich gleichzeitig angefangen zu studieren. Und erst Deine Profs… derart altbackene Tipps hast Du noch nie gehört. Ein ganzes Jahr für die Examensvorbereitung? Was für ein Mumpitz! Mindestens 50 Examensklausuren in Echtzeit schreiben? Zeitverschwendung! Eine Lerngruppe bilden? Nur über Deine Leiche! Jetzt, wo du das Korsett der Schule endlich hinter Dir gelassen hast, willst Du der Herr über Deine Zeit und Dein Schicksal sein. Auf gutgemeinte Ratschläge kannst Du dabei dankend verzichten. Schließlich weißt Du sowieso alles besser!

Vergleichen – Du bist am besten!

„Wer ist der oder die beste im ganzen Land?“ – das fragst Du Dich jeden Morgen vor dem Spiegel und es gibt nur eine richtige Antwort! Auch Deine Kommiliton:innen sollen möglichst bald erfahren, wer hier der Babo ist, der Platzhirsch im Stall, der Chef im Sessel (oder wie auch immer). Dazu vergleichst Du alles. Wer hat die teuersten Klamotten? Wer schreibt die besten Noten? Wessen Eltern fahren das krasseste Auto und wer ist am schnellsten scheinfrei? Die Antwort auf all diese Fragen bindest Du Deinen Mitmenschen ungefragt auf die Nase. Denn den richtigen Motivations-Kick bekommt man nur, indem man sich mit anderen vergleicht. Es tut so richtig gut, die ganzen Loser beim Scheitern zu beobachten. DU bist der oder die BESTE!

Theorie – wer braucht schon Fälle?

In den Arbeitsgemeinschaften trichtern Dir bereits in den ersten Semestern die Tutor:innen ein: Fälle, Fälle, Fälle! Du hältst das für den völlig falschen Weg. Wer braucht schon Fälle? Am Ende geht es in den Klausuren darum, mit Deinen Theorie-Wissen zu glänzen. Die Definition der Willenserklärung muss sitzen und die zehn Theorien rund um den Erlaubnistatbestandsirrtum kannst Du im Schlaf runterbeten. Gut gemacht! Wie das Wissen dann präsentiert wird, ist doch völlig egal. Der Gutachtenstil wird überbewertet. Oder hast Du schon Mal einen Anwalt oder eine Richterin gesehen, die jede Rechtsausführung mit einem kindischen Obersatz beginnen? Eben! Absolut nicht praxisrelevant. Du ratterst im Staatsexamen stattdessen dein Auswendiggelerntes Wissen runter und spulst einen Meinungsstreit nach dem anderen ab. Dafür wird es Punkte regnen!

Planung – go with the flow!

Planung und Organisation ist etwas für Anfänger:innen. Du hast Dir ein Ziel gesetzt, das muss ausreichen. Viele Wege führen zum Staatsexamen. Schaut man auf die aktuelle Weltpolitik, wird sowieso klar, dass langfristige Planung nicht möglich ist. Vielleicht herrscht morgen schon Krieg? Oder ein Unwetter spült Dir Deine Wohnung unter dem Arsch weg? Du lässt Dich stattdessen vom Leben treiben. Nur, wer sich auch mal gehen lässt, wird bisher ungeahnte Höhen erreichen. Während sich Deine Kommiliton:innen bereits ein Jahr im Voraus um einen Praktikumsplatz bemühen, wartest Du darauf, dass Dir auf der nächsten Fachschaftsparty einer angeboten wird. Man weiß nie, wann sich eine neue Tür öffnet – der perfekte Nebenjob könnte ja auch im Park oder Fitnessstudio auf Dich warten – wer weiß das schon? Das Gleiche gilt auch für die Examensvorbereitung.

Disclaimer: Bei diesem Beitrag handelt es sich um Satire. Diese “Ratschläge” zu befolgen, kann zu einem wahren Horror-Studium führen und im schlimmsten Fall Dein Examen gefährden!

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Redaktion
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JURios. Kuriose Rechtsnachrichten. Kontakt: redaktion@jurios.de

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