Menschenverachtend: Guantanamo hat einen Souvenir-Shop

Das US-amerikanische Gefangenenlager Guantanamo hat einen offiziellen Souvenir-Shop. Kein Scherz. Was es dort zu kaufen gibt? Jedenfalls keine Plüschfiguren in orangefarbenen Overalls mit Sack über dem Kopf. Auch keine CD’s von Britney Spears. Und erst Recht keine Ausgabe der UN-Antifolterkonvention.

Das US-Gefängnis Guantanamo wurde zum Symbol für Menschenrechtsverletzungen wie Folter und illegale Haft. Es ist seit 2002 ein Teil der Guantanamo Bay Naval Base, einem US-Marinestützpunkt auf Kuba. Das Internierungslager wurde als direkte Reaktion auf die Anschläge vom 11. September errichtet. Seitdem sollen knapp 800 Gefangene das Lager durchlaufen haben. Zwischenzeitlich saßen auch Kinder und Jugendliche, die im Afghanistan-Krieg verschleppt worden waren, im Lager ein. Den Häftlingen wird ein Gerichtsverfahren verweigert. WikiLeaks geht davon aus, dass mindestens 100 Gefangenen unschuldig sind.

Bereits seit 2004 ist nach einem Bericht des Internationalen Roten Kreuzes klar, dass in Guantanamo gefoltert wird. Viele Gefangene werden dauerhaft in Isolationshaft gehalten. Die schreckliche Foltermethode des „waterboardings“, bei dem der Häftling denkt, zu ersticken, wurde „dank“ Guantanamo einer breiten Öffentlichkeit bekannt. Für Schlagzeilen sorgte auch die Meldung, dass die Gefangenen mit Britney Spears in „Dauerschleife“ beschallt wurden. Was sich zunächst komisch anhört, hat Schlafentzug und bleibende psychische Schäden zur Folge. Alleine 2003 versuchten über 100 Häftlinge, sich selbst das Leben zu nehmen. Mehrere Gefangene verstarben.

Tassen und T-Shirts aus dem Folterknast

Nach US-Recht werden die Menschen in Guantanamo nicht wie andere Häftlinge behandelt. Die Vereinigten Staaten stufen die Internierten als „unlawful combatants“ ein und verwehren ihnen grundlegende Menschenrechte, was einen klaren Verstoß gegen Internationales Recht darstellt.

Was bringt also gerade eines der schlimmsten Gefängnisse der Welt dazu, einen Souvenir-Shop zu betreiben? Wir wissen es nicht. Aber es stimmt. Im Souvenirladen werden mindestens seit dem Jahr 2015 T-Shirts, Bierkrüge und Becher mit der Aufschrift “Straight Outta GTMO” verkauft. Der Laden wird von der US Navy Exchange betrieben. Daneben gibt es unter anderem einen Subway und eine McDonalds Filiale für die Angehörigen der Navy und Besucher:innen. Letzteres ist verständlich, denn der Stützpunkt beherbergt etwa 6.000 Menschen. Wer allerdings auf die geschmacklose Idee kam, mit einem Folterknast Werbung auf Merchandise zu machen, steht in den Sternen.

Die New York Times stellt einige der Produkte aus dem Souvenirshop in einem Artikel vor. Darunter Lippenbalsam mit der Aufschrift „I <3 GTMO“, eine Statue von Fidel Castro, einen Kaffeebecher mit der Aufschrift „Joint Task Force Guantánamo“, ein T-Shirt mit dem Aufdruck „I love Guantanamo“ und einen Plüsch-Truthahn.

Gefängnisshops auch in Deutschland

In Deutschland kaum zu finden? Naja, einen Folterknast gibt es hierzulande nicht. Und Souvenirläden sucht man auf dem Gelände deutscher JVAen ebenfalls erfolglos. Allerdings gibt es immer mehr Gefängnisse, die einen online Shop betreiben. In diesem werden Dinge verkauft, die die Gefangenen hergestellt haben. Bayern hat hierfür sogar die landesweite Website www.haftsache.de. eingerichtet. Alle Produkte werden von Insassen bayerischer Justizvollzugsanstalten hergestellt. Das Angebot ist vielseitig. Möbel, Holzspielzeug, Gartendeko, Taschen, Schuhe und Näharbeiten.

Arbeit kann eine Form der Resozialisierung darstellen. Aus dieser Perspektive eine gute Sache. Vergessen werden darf dabei aber nicht, dass die Gefangenen in deutschen JVAen noch immer nur einen Stundenlohn von 1-3 Euro erhalten. Denn der Mindestlohn gilt hier nicht. So haben die Häftlinge kaum reelle Chancen, tatsächlich Geld für „das Leben nach der Haft“ anzusparen. Kritiker:innen sehen hier deswegen deutlichen Handlungsbedarf.

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