Drogendelikte & Hausfriedensbruch in Mittelerde

Wir lieben Kinofilme vor allem für ihre Heldengeschichten. Doch würden wir unsere liebsten Streifen einmal aus juristischer Sicht betrachten, könnte man sich schnell fragen, wer eigentlich der Gute und der Böse ist. So auch im Fantasy-Epos „Der Herr der Ringe“ von Peter Jackson, basierend auf dem Büchern (eigentlich war Der Herr der Ringe nur ein Buch!) von J.R.R. Tolkien.

Die kreativen Köpfe der Berliner Kanzlei Gansel Rechtsanwälte haben das Ganze unter dem Projekt „Kino-Anwälte“ aus eben dieser Perspektive betrachtet. Und ganz ehrlich: Wer hätte gedacht, dass man auf solch kuriose Weise wissenswerte Dinge über die Juristerei lernen kann?

Darf man eigentlich Dinge in einen Vulkan werfen?

Das Ziel der Gefährten war bekanntermaßen die Vernichtung des Einen Ringes des dunklen Herrschers Sauron. Mal davon abgesehen, dass dieser noch immer rechtmäßiger Eigentümer dieses Schmuckstücks war (ist das wirklich so?) , könnte man sich fragen, ob es überhaupt erlaubt wäre, Schmuck und dergleichen in eine brodelnde Lava-Hölle zu schmeißen.

In Deutschland gibt es bisher kein Gesetz, das diese Frage klärt. Das liegt sicher auch daran, dass wir keinen aktiven Vulkan in unserem Land haben. Jedoch werden im Strafgesetzbuch unter dem Abschnitt 29 die Straftaten gegen die Umwelt geregelt. Dort findet man § 326 StGB über den unerlaubten Umgang mit Abfällen und dem Entsorgen von schädlichen Abfällen für Natur, Mensch und Tier.

Im Absatz 6 ist aufgeführt, dass es in unserem Beispiel zunächst nicht strafbar wäre, wenn aus der Entsorgung keine schädliche Wirkung für die Umwelt entsteht. Da der Schicksalsberg jedoch sofort ausbricht, nachdem der Ring samt Gollum in die Lava fiel, scheint dieses kleine Objekt aber gar nicht so unschädlich gewesen zu sein. Ein Glück für Frodo und Sam, dass nicht sie es waren, die das wertvolle Objekt in den Schlund des Feuerbergs geworfen haben.

Mittelerde ist voller Kiffer

Wenn der Zauberer Gandalf sich auf seinen Reisen eine kurze Pause genehmigt, greift er schnell zur Pfeife. Seinem Vorgesetzten Saruman ist diese Abhängigkeit ein Dorn im Auge, denn das „Kraut der Halblinge“ hätte scheinbar bereits Gandalfs Sinne benebelt. Klingt ziemlich nach Marihuana, oder? Dem Pfeifenkraut in Mittelerde wird in Tolkiens Werken eine betörende Wirkung nachgesagt. Ein Indiz mehr, dass es sich nicht nur um reinen Tabak handelt (“The Lord of the Weed” kennt sicherlich inzwischen jeder).

Doch wäre das Pfeifenkraut dann bei uns in Deutschland erlaubt? Das kommt darauf an, wann Ihr diesen Artikel lest, denn die ersten Schritte zur Legalisierung von Gras sind bereits gemacht. Doch bisher fällt Marihuana laut Betäubungsmittelgesetz unter die weichen Drogen. Der Konsum selbst ist dadurch vielleicht nicht strafbar, jedoch der Handel und der Besitz. In § 29 BtMG heißt es: “Mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer 1. Betäubungsmittel unerlaubt anbaut, herstellt, mit ihnen Handel treibt, sie, ohne Handel zu treiben, einführt, ausführt, veräußert, abgibt, sonst in den Verkehr bringt, erwirbt oder sich in sonstiger Weise verschafft […]”

Sollte Gandalf also auf das Dealen von Pfeifenkraut verzichten und sich lediglich beim Konsumieren von der auenländischen Polizei erwischen lassen, so hätte er zunächst nichts zu befürchten.

Moria ist ein Lost Place

Auf ihrer Reise mussten die Gefährten einen Umweg durch die Minen von Moria machen, auch bekannt als Zwergenstadt Khazad-dûm. Da sie dort die Anwesenheit von Zwerg Balin erwarteten, war das wohl erstmal kein Problem. Jedoch stelle sich schnell heraus, dass der Ort bis auf ein paar Orks, einen Höhlentroll und einen Balrog (Wir werten diese Geschöpfe nun mal als Tiere), verlassen war. Ein echter Lost Place, könnte man sagen. Und darf man diese so einfach betreten?

Im Grunde ja, wenn sie tatsächlich niemandem mehr gehören! Jedoch die meisten Lost Places haben tatsächlich noch einen Eigentümer. Schuld daran trägt das Erbrecht, da viele Grundstücke nach einem Todesfall automatisch an den nächsten Angehörigen fallen, ganz gleich, ob sich dieser um die Immobilie kümmert oder nicht. Somit wäre das unerlaubte Betreten dieser Orte ein Hausfriedensbruch gem. § 123 StGB. Das AG München musste sich beispielsweise mit der Frage beschäftigen, ab wann eine Burg ein Lost Place ist (JURios berichtet).

Und wie echte Fans wissen, müsste die Zwergenstadt nach Durins Tod auf dessen Bruder Dwalin fallen, der zur Zeit von Herr der Ringe tatsächlich noch lebt und seine Tage am Erebor verbrachte.

Nico Schmalfuss
Nico Schmalfuss
Nico Schmalfuss ist Redakteur bei Gansel Rechtsanwälte. Wenn Ihr noch mehr über kuriose Gesetzesverstöße in Filmen erfahren wollt, dann werft einen Blick in die Videos von Gansel Rechtsanwälte ("Kino-Anwälte").

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