Spieleentwickler müssen wegen Geoblockings Millionenstrafen zahlen

Paukenschlag im Kartellrecht. Der Computerspielentwickler Valve und fünf weitere Verleger von Videospielen sollen nach einer Mitteilung der EU-Kommission 7,8 Millionen Euro Strafe zahlen. Wegen Geoblockings.

Der Grund: Die Unternehmen hatten Videospielverlegern die Möglichkeit gegeben, Aktivierungsschlüssel für Spiele an einzelne Länder zu koppeln. Ein beispielsweise in Tschechien gekaufter Aktivierungsschlüssel für einen Spiele-Download funktionierte daher nicht in Deutschland. Neben Plattformbetreiber Valve verhängte die EU-Kommission mit der selben Begründung auch gegen fünf weitere Games-Publisher Geldstrafen.

Die Valve Cooperation betreibt mit “Steam” eine der größten virtuellen Vertriebsplattform für Computerspiele. Steam hat über 100 Millionen aktive Nutzer:innen, die auf der Plattform Computergames kaufen, sich darüber austauschen und die Spiele bewerten. Wie und wo die Gamer:innen die auf diesem Weg erworbenen Computerspiele aber spielen können und dürfen, führte nun zu Streit.

Rund 100 Computerspiele betroffen

Die EU-Kommission wirft dem Unternehmen vor, ihre Kund:innen daran gehindert zu haben, Videospiele auch in anderen EU-Ländern zu nutzen. Konkret soll es Absprachen gegeben haben, die unter anderem dazu geführt hätten, dass Aktivierungscodes, die zum Freischalten von Spielen benötigt werden, nur innerhalb bestimmter Landesgrenzen funktioniert hätten. So konnten zwischen 2010 und 2015 Spieler:innen aus westlichen Märkten bestimmte Steam-Keys aus einigen osteuropäischen Ländern wie Ungarn und Polen nicht verwenden. Diese Beschränkung wird auch als “Geoblocking” bezeichnet und ist in der EU seit Dezember 2018 verboten. Insgesamt waren rund 100 Computerspiele aus allen Genres betroffen.

Die für Wettbewerbsfragen zuständige EU-Kommissarin Margrethe Vestager erklärte. „Die heute wegen der Geoblocking-Praktiken von Valve und fünf PC-Videospieleverlagen verhängten Geldbußen dienen als Erinnerung daran, dass es den Unternehmen nach dem EU-Wettbewerbsrecht untersagt ist, den grenzüberschreitenden Verkauf vertraglich zu beschränken.“

Strafrabatt für Kooperation mit der Kommission

Verleger, die gegen das Geoblocking-Verbot verstoßen haben, müssen nun insgesamt 7,8 Millionen Euro Strafe zahlen. Die höchste Summe in Höhe von 2,89 Millionen Euro muss der französische Publisher Focus Home bezahlen. Auf das inzwischen zu Microsoft gehörende Unternehmen Zenimax (Bethesda) entfallen 1,66 Millionen Euro und auf die deutsche Firma Koch Media 977.000 Euro. Bei Capcom fallen 396.000 Euro und bei Bandai Namco 340.000 Euro an.

Zwar muss Valve “nur” 1,6 Millionen Euro zahlen, das Unternehmen wurde in der Pressemitteilung jedoch gesondert hervorgehoben, weil es nicht mit der EU-Kommission kooperiert hatte. Valve sieht das laut einem ihrer Sprecher aber ganz anders. „Während der siebenjährigen Untersuchung kooperierte Valve umfassend mit der Europäischen Kommission und lieferte wie gefordert Beweise und Informationen. Jedoch hat es Valve abgelehnt, einen Gesetzesbruch zuzugeben, wie es von der EU-Kommission gefordert wurde.”

Auf dem Games-Markt ist immer was los: Bereits 2016 berichteten wir darüber, dass der Spieleentwickler Digital Homicide mehrere Spieler:innen und Nutzer:innen der Gaming-Plattform Steam wegen schlechter Spiele-Bewertungen auf 18 Millionen US-Dollar Schadensersatz verklagt hatte.


Fundstelle: Pressemitteilung der EU-Kommission

Jannina Schäffer
Jannina Schäffer
Juristin, Doktorandin an einem Lehrstuhl für Strafrecht, Wannabe-Kriminologin, Harry Potter Fan.

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