Fahrradgate: Polizei soll geklaute Fahrräder verkauft haben

Polizist:innen der Leipziger Polizei sollen im großen Stil geklaute Fahrräder weiterverkauft und sich so bereichert haben. Infolgedessen wurden nun mehrere Polizeistationen durchsucht. Insgesamt geht es um über 1.000 Fahrräder. Die Medien sprechen gar von einem Fahrradgate!

Das kuriose? Einige der Fahrräder verkauften die Beamt:innen sogar an ihre eigenen Kolleg:innen. Aber von Anfang an: Die Generalstaatsanwaltschaft Dresden teilte mit, dass eine Leipziger Polizeistation durchsucht worden sei. Zudem habe es Durchsuchungen an sieben weiteren Orten im Umland gegeben. Der Grund: Beamt:innen sollen aus der Asservatenkammer der Leipziger Polizei jahrelang sichergestellte Fahrräder günstig weiterverkauft haben. Die Räder zu Schnäppchenpreisen gingen den Ermittlungen zufolge auch an zahlreiche Kolleg:innen. Gegen insgesamt vier verdächtige Personen wird deswegen jetzt wegen Diebstahls, Urkundenfälschung und Betrugs ermittelt.

Fahrradgate: Insgesamt 118 Beschuldigte

Doch der Fall zieht große Kreise und richtete sich auch gegen die potentiellen Abnehmer*innen. Insgesamt wurden Verfahren gegen 118 beschuldigte Personen, darunter 77 Polizist:innen eingeleitet. Darüber hinaus sollen auch Staatsanwält:innen und möglicherweise Richter:innen illegal Fahrräder aus der Asservatenkammer erworben haben. Die Ermittlungen gegen 31 weitere Verdächtige wurden inzwischen eingestellt.

In einem dritten Verfahren ermittelt die Generalstaatsanwaltschaft gegen sieben Beschuldigte wegen Strafvereitelung im Amt. Sechs dieser Personen arbeiten bei der Polizei, eine ist inzwischen aus dem aktiven Dienst ausgeschieden. In diesem Verfahren will man aufklären, ob die Betroffenen etwas von den Vorgängen in der Asservatenkammer gewusst hatten. In einem Papier des Landeskriminalamtes, die die Dresdener Morgenpost zitiert, heißt es: „Es ist nach gegenwärtigem Ermittlungsstand davon auszugehen, dass zumindest 40 Beamte der Polizeidirektion Leipzig betroffen sind, die zum Tatzeitpunkt unter anderem in der Kriminalpolizeiinspektion, den Polizeirevieren, dem Führungs- und Lagezentrum sowie dem Referat 3 [“Kriminalitätsbekämpfung”] der PD Leipzig tätig waren.“

Und es kommt noch kurioser: Die Hauptverdächtige arbeitete laut einem Bericht der Dresdner Morgenpost bei der 2012 gegründeten Ermittlungsgruppe „Zentrale Bearbeitung der Fahrradkriminalität“ („ZentraB Fahrrad“). Das Prestigeprojekt wurde jedoch bereits 2019 wieder aufgelöst.

Vater der Hauptverdächtigen als Strohmann

Aber es kommt noch härter: Ein Teil der Fahrräder soll an einen Kleingartenverein verhöckert worden sein. Dessen Vorstand: Der Vater der hauptverdächtigen Polizistin. Der Vater soll die Fahrräder als Strohmann für seine Tochter verkauft haben – zum Stückpreis von 50 bis 100 Euro. Ihre „Geschäfte“ habe die Polizistin teilweise sogar auf dem Hof der Leipziger Asservatenkammer abgewickelt, so die Dresdner Morgenpost.

Jedes Jahr werden hunderttausende Fahrräder in deutschen Großstädten gestohlen. 2019 waren es laut der Polizeilichen Kriminalstatistik 277.874 angezeigte Fälle. Doch die Dunkelziffer ist groß. Leipzig und Berlin gelten als Hochburgen der Fahrraddiebe. Ob die Auflösung der Ermittlungsgruppe in Leipzig im Zusammenhang mit den jetzt bekanntgewordenen Vorwürfen steht, ist nicht bekannt.


Fundstelle: https://www.morgenpost.de/
Fundstelle: https://www.faz.net/

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