Home Justiz „Future for Afghanistan“: Hamburger Anwältin setzt sich für Frauen in Afghanistan ein

„Future for Afghanistan“: Hamburger Anwältin setzt sich für Frauen in Afghanistan ein

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Afghanistan

Die humanitäre Lage in Afghanistan ist seit dem Rückzug der westlichen Truppen und der Rückkehr der Taliban katastrophal. In diversen Medienberichten konnte man in den letzten Monaten zu Genüge verfolgen, wie die Taliban die Städte in Afghanistan zurückeroberte und damit Tod und Verwüstung brachte. Die Menschen im Land sind verzweifelt. Am härtesten trifft es dabei die Frauen. Denn ihre fundamentalen Grundrechte – beispielsweise auf Bildung – werden von den Taliban nicht anerkannt. So dürfen seit September beispielsweise weder Frauen noch weibliche Lehrkräfte an der Universität von Kabul lernen und lehren. Die Mädchen dürfen ab der 7. Klasse die Schule nicht mehr besuchen. Bis auf wenige Stellen haben alle Frauen ihren Arbeitsplatz verloren.

Eine Anwältin aus Hamburg macht sich jetzt für die Menschen und insbesondere die Frauen in Afghanistan stark. Jacqueline Ahmadi ist Fachanwältin für Strafrecht & Verkehrsrecht. Die Juristin wurde in Jalalabad (Afghanistan) geboren. 1994 musste ihre Familie wegen des Bürgerkriegs und der drohenden politischen Verfolgung des Vaters aus dem Land flüchten. Die Eltern und ihre vier Kinder landeten in Hamburg. Ein Glücksfall für Jacqueline Ahmadi. Die gebürtige Afghanin machte ihr Abitur und legte in Rekordzeit ihr Jurastudium an der Universität Hamburg ab. Daran schloss sich ein zweijährige Rechtsreferendariat an. 2008 machte sich Jacqueline Ahmadi mit einer eigenen Kanzlei in Hamburg selbstständig. Sie spezialisierte sich auf das Strafrecht und das Verkehrsrecht und erlangte in beiden Disziplinen den Titel als Fachanwältin. Eine gelungene Integrationsgeschichte!

Voller Einsatz für den Rechtsstaat!

Seitdem setzt sich die Juristin für ihre Mandant:innen und für einen starken Rechtsstaat ein. Sie war Teil der bundesweiten Kampagne des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz (BMJV) „Wir sind Rechtsstaat„ und dadurch in vielen deutschen Städten auf Plakaten in ihrer Rolle als Strafverteidigerin zu sehen. Mit der Kampagne werden die rechtsstaatlichen Prinzipien aus dem Grundgesetz, wie das Recht auf ein faires Verfahren, die Unschuldsvermutung, das Recht auf Verteidigung und das Recht auf Schweigen, beworben.

Jetzt möchte Jacqueline Ahmadi, die sich ihrem Heimatland trotz ihrer persönlichen Erfolgsgeschichte sehr verbunden fühlt, etwas zurückgeben. Gemeinsam mit ihrem Bruder, dem deutsch-afghanischer Profiboxer Hamid Rahimi, hat sie die Denkfabrik „Future for Afghanistan“ gegründet. Ihr Herzensprojekt fasst die Juristin folgendermaßen zusammen: „Unsere Denkfabrik möchte neben dem politischen Druck sowohl auf Seiten der Taliban als auch auf Seiten des Westen versuchen, dass die Einhaltung der Menschenrechte, der Frieden und die Sicherheit in Afghanistan gewährleistet werden. Ohne politischen Druck wird es nicht gehen. Leider hat der Druck in den letzten Wochen nachgelassen, obwohl das Leid der Menschen größer geworden ist als je zuvor. Afghanistan droht zudem eine humanitäre Katastrophe. Die Politiker:innen reagieren aber erst, wenn Druck von innen kommt.“

Deshalb hat sich die Denkfabrik zum Ziel gesetzt, die Ressourcen der internationalen Gemeinschaft und der afghanischen Community zu mobilisieren, um die Menschen ohne Einbeziehung der Taliban mit effektiver finanzieller und humanitärer Hilfe zu unterstützen. Dies schafft bei den Afghan:innen wieder Vertrauen und zwingt die Taliban wiederum, die Menschenrechte einzuhalten.

Denkfabrik für ein freies Afghanistan

Dabei ist es den Geschwistern wichtig, dass man aus den Erfahrungen der Vergangenheit lernt und eine Lösung mit Afghanistan zusammen findet und nicht nur für die Afghan:innen.

Denn: „Wir haben in den letzten Jahrzehnten und auch aktuell verstärkt ein Brain Drain von Afghanistan. D.h. dass wir eine Abwanderung der gebildeten Schicht und somit einen Verlust der Talente im Land zu verzeichnen haben. Wir brauchen aber diese Menschen, um eine Zukunft für das Land aufzubauen. Die Taliban sind fachlich nicht in der Lage, Afghanistan kompetent auf nationalem, europäischem und internationalem Parkett unter Einhaltung der Menschenrechte zu präsentieren, geschweige das Land zu führen. Mit der Arbeit unserer Denkfabrik möchten wir gerne nachhaltige Strukturen mit Hilfe von Deutschland und Europa schaffen, sodass die Menschen vor Ort in die Lage versetzt werden, sich selbst für den Aufbau ihres Landes effektiv einzusetzen. Unsere Arbeit soll den jungen Menschen vor allem Mut geben, Hoffnung machen und Perspektiven schaffen, damit diese dort bleiben und das Land gegen die terroristischen Ideologien und Kriege schützen. In diesem Zusammenhang möchten wir die afghanische Diaspora weltweit dazu zu bewegen, ihre Expertise und Kapazitäten dem Wiederaufbau und der Schaffung und Erhaltung demokratischer Systeme in Afghanistan zur Verfügung zu stellen.“

Um dieses Ziel zu verwirklichen, steht „Future for Afghanistan“ mit vielen afghanischen Vereinen, dem Auswärtigen Amt, Nichtregierungsorganisationen, Menschenrechtsaktivist:innen, der Deutschen Bundesrechtsanwaltskammer und Journalist:innen im Gespräch. Die Denkfabrik will allen geeigneten Akteur:innen ihre fachliche Unterstützung anbieten. Dazu soll in nächster Zeit auch ein Roundtable mit mit den Afghanistan-Expert:innen stattfinden. Denn die Geschwister wollen zeigen, dass auch hier in Deutschland tolle Afghan:innen leben, die sich hier in unserem Land integriert haben und einen wichtigen Beitrag in den Bereichen Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur leisten.

„Wir möchten mit der afghanischen Community und auch mit der deutschen Zivilgesellschaft, mit allen, die an Afghanistan interessiert sind, einen Gedankenaustausch starten und wichtige Themen in einem ThinkTank gemeinsam angehen“, so Jacqueline Ahmadi.

Unterstützung durch Völkerrechtlerin und Menschenrechtsaktivistin

Und dazu hat die Juristin noch ein ganz besonderes Ass im Ärmel. Sie vernetzte sich mit der bekannten Juraprofessorin und Menschenrechtsaktivistin Prof. Dr. Silke Ruth Laskowski, Leiterin des Fachgebiets Öffentliches Recht, Völkerrecht und Euoprarecht mit dem Schwerpunkt Umweltrecht an der Universität Kassel. Diese setzt sich hier in Deutschland unter anderem für eine Paritätsgesetzgebung, also für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen an politischen Entscheidungen, ein. Sie kämpft aber auch dafür, auf die Lage der Frauen in Afghanistan aufmerksam zu machen.

„Ich bin seit Monaten bemüht, das Auswärtige Amt dazu zu bewegen, die Menschen, vor allem Frauen, die durch die Taliban akut gefährdet sind, zu helfen, sicher nach Deutschland zu kommen“, so Jaqueline Ahmadi. Nach derzeitigem Stand nimmt Deutschland keine weiteren Personen aus dringenden, humanitären Gründen gemäß § 22 Aufenthaltsgesetz auf. Die Anwältin steht deshalb im Austausch mit NGOs auf der Suche nach anderen rechtlichen und politischen Möglichkeiten, um den akut gefährdeten Frauen bei der Ausreise zu helfen.

“Mein Bruder und ich haben uns auf diverse Demonstrationen gegen die Taliban und für Frauenrechte stark gemacht. Eine unserer Forderungen ist: Man darf die Taliban als Staat nicht anerkennen, solange sie sich nicht auf dem Boden der völkerrechtlich anerkannten Menschenrechte begeben. Zudem fordern wir von der Bundesregierung ein Schutzkontingent für unmittelbar Gefährdete und ihre Familien und deren effektive logistische Unterstützung. Dabei möchte mich Frau Prof. Dr. Laskowski rechtspolitisch unterstützen“, erzählt Jacqueline Ahmadi gegenüber JURios.

Ihre Arbeit hat die Denkfabrik „Future for Afganistan“ schon aufgenommen. Jetzt geht es darum, noch mehr Unterstützer:innen zu finden und die Forderungen an Entscheidungsträger:innen weiterzugeben. Die Geschwister wollen nichts weniger, als die Bundesregierung von einer neuen Afghanistan-Mission zu überzeugen. Sie haben sich bereit erklärt, persönlich als Vermittler:innen für die Bundesregierung nach Afghanistan zu reisen, um mit den Taliban direkt vor Ort Verhandlungsgespräche zu führen.


Zur Website von RAin Jacqueline Ahmadi: www.rechtsanwaeltin-ahmadi.de/

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