Angeklagter nennt sich in virtueller Gerichtsverhandlung “Buttfucker3000”

Ein Mann aus Michigan trat einer Video-Verhandlung versehentlich unter dem Nickname “Buttfucker3000” bei. Sehr zur Belustigung des Richters und des online Publikums.

US-Richter Jeffrey Middleton hat seit April 2021 einen Youtube-Kanal. Dort hat er bereits über 100 seiner Zoom-Gerichtsverhandlungen als live Videos gestreamt. Wer keine Zeit hat, die Verhandlungen live zu verfolgen, kann sie sich im Anschluss auf dem Kanal des Richters aus dem US-Bundesstaat Michigan ansehen. So konnte der Bezirksrichter bereits über 13.000 Abonnenten sammeln.

Aufsehen erregte beispielsweise ein Prozess, in dem ein Angeklagter, der ohne Versicherung und ohne gültigen Führerschein Auto gefahren war, in Middletons Videoübertragung zu sehen war – vom Fahrersitz eines Autos aus. In einem anderen Fall fiel der anwesenden Staatsanwältin auf, dass sich ein angeklagter Gewalttattäter im Haus des Opfers aufhielt. Während des Prozesses und trotz eines Kontaktverbots.

Angeklagter nennt sich “Buttfucker3000”

Für großes mediales Aufsehen sorgte jetzt ein Angeklagter, der sich in einer Zoom-Verhandlung wegen des Besitzes von Drogenutensilien verantworten musste. Richter Jeffrey Middleton begann die Verhandlung mit den Worten “Dann holen wir diesen Kasper mal rein”. Daraufhin wählt sich ein Mann mit dem Nickname “Buttfucker3000” in den Zoom-Call ein. Der Richter fragt den Angeklagten sodann nach seinem Namen. Der Angeklagte nennt daraufhin seinen bürgerlichen Namen. Nathaniel Saxton. Daraufhin fragt der Richter den ersichtlich ahnungslosen Mann: “Sie heißen also nicht Buttfucker 3000? Welch ein Idiot loggt sich so vor Gericht ein?”

Es dauert einige Momente, bevor der Mann seinen Fehler bemerkt. Er entschuldigt sich und wird vom Richter erneut in den virtuellen Warteraum gebeten. Nach wenigen Minuten loggt sich der Mann wieder ein und erklärt, dass der anstößige Nickname auf seine Schwester zurückzuführen sei. Diese habe den Zoom-Account erstellt. Bei “Buttfucker3000” handele es sich um einen Insider-Witz. “Es ist mein iPhone-Pairing-Name für meinen Bluetooth-Lautsprecher, Sir”, erklärt der Mann dem Richter. Für den Angeklagten ging die Verhandlung dennoch glimpflich aus. Er räumte den Besitz von Drogenutensilien ein. Bei einer Verkehrskontrolle hatte die Polizei in seinem Lkw eine Spritze mit Methamphetamin-Rückständen gefunden. Er willigte ein, eine Geldstrafe von 200 Dollar zu zahlen.

Schließlich entlässt Middleton den Mann aus der Verhandlung und gibt ihm für seine Schwester mit auf den Weg: “Sagen Sie ihr, dass sie Sie fast wegen Missachtung des Gerichts ins Gefängnis gebracht hätte.” Knapp 14.000 Youtube-Nutzer:innen haben das insgesamt über zweieinhalb Stunden lange Originalvideo des Prozesses angeklickt. Inzwischen wurde es jedoch wieder vom Youtube-Account des Richters gelöscht.

Screenshot: Youtube-Kanal.

Am 17. Mai postete Judge Jeffrey Middleton ein 22-minütiges Abschiedsvideo auf YouTube, in dem er sagte, dass er sich nach einem Gespräch mit dem Büro des State Court Administrators und dem Michigan Supreme Court entschieden habe, seinen Livestream abzuschalten. Er habe Bedenken bezüglich der Privatsphäre der in den Videos vorgeführten Angeklagten. Ob Middleton seinen Youtube-Account dauerhaft löschen wird, steht noch nicht fest.


Fundstelle: https://lawandcrime.com/

Jannina Schäffer
Juristin, Doktorandin an einem Lehrstuhl für Strafrecht, Wannabe-Kriminologin, Harry Potter Fan.

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