Kolloquium zum Reformbedarf der juristischen Ausbildung an der Uni Trier

Das Institut für Rechtspolitik der Universität Trier veranstaltete am 26. Juni 2023 eine Podiumsdiskussion, bei der es um den Reformbedarf der juristischen Ausbildung ging.

Seit Jahren gibt es Diskussionen über eine Reform der juristischen Ausbildung. Über 11.000 Teilnehmende stimmten bei der iur.reform-Umfrage über 43 Thesen ab, die sich mit einer Reform des Jurastudium beschäftigten. An der Universität Trier wurde jüngstens der lang ersehnte integrierte Bachelor eingeführt. Deswegen ist es nicht verwunderlich, dass das Kolloquium zum Reformbedarf der juristischen Ausbildung auf großes Interesse stieß.

An der Veranstaltung nahm aus der Justiz der Präsident des OVG und des VGH Rheinland-Pfalz Prof. Dr. Lars Brocker teil. Mit Dr. Matthias Frey war ein Staatssekretär des rheinland-pfälzischen Justizministeriums vertreten. Der geschäftsführende Direktor des Instituts für Rechtspolitik Prof. Dr. Thomas Raab moderierte die Diskussion. Für Lehre und Universität sprach die Dekanin des juristischen Fachbereichs der Universität Trier Prof. Dr. Antje von Ungern-Sternberg. Für das Bündnis iur.reform war Mert Dinçer angereist und Lars Kettermann sprach als Vertreter der Fachschaft Jura an der Universität Trier für die Student:innen.

Integrierter Bachelor und verdeckte Zweitkorrektur

Alle Beteiligten begrüßten die Einführung des integrierten Bachelors an der Universität Trier sowie die Wiedereinführung der verdeckten Zweitkorrektur durch eine Änderung des Prüfungsverfahrens in Rheinland-Pfalz. Lars Kettermann lobte die Einführung des E-Examens. Doch die angedachte Reform stieß nicht nur auf positive Resonanz. So lehnten die Trierer Studierenden das geplante Markierungsverbot in Gesetzestexten und die Änderungen am Prüfungsstoff ab. Dr. Matthias Frey hielt dem entgegen, dass Markierungen immer wieder zu Unsicherheiten bei den Studierenden, bei den Prüfenden und beim Prüfungsamt geführt hätten – das Verbot schaffe Klarheit. Auch solle es nicht zu einer Erweiterung des Prüfungsstoffes kommen, sondern lediglich zu einer anderen Schwerpunktsetzung.

Prof. Dr. Antje von Ungern-Sternberg sah in der Frage des Stoffkatalogs nur einen Aspekt einer größeren Frage: Wofür müsse man eigentlich Jurist:innen in der heutigen Zeit ausbilden? Prof. Dr. Lars Brocker betonte das Ziel der juristischen Ausbildung. Nämlich, dass Jurist:innen die Fähigkeit zur methodischen Rechtsanwendung besäßen und in der Lage seien, sich in alle Bereiche der Rechtspraxis einzuarbeiten.

Alle Beteiligten an einen Tisch bringen

Mert Dinçer schloss die Podiumsdiskussion mit dem Hinweis, dass bereits seit 150 Jahren diskutiert werde; viel geändert habe sich aber nicht. Er sehe das Problem darin, dass die Diskussion immer nur in einzelnen Bereichen mit einzelnen Interessenvertretern geführt werde. Aber bei politischen Entscheidungen gehe es gerade darum, dass alle miteinander reden sollten.

Wir finden: Dass es im Zuge einer Änderung der Prüfungsordnung überhaupt einmal zu einer öffentlichen Debatte kam, ist bereits als großer Erfolg zu verbuchen. Denn bisher waren die Prüfungsämter bundesweit eher darum bemüht, möglichst schnell und unauffällig Reformen im Hinterzimmer durchzudrücken. So beispielsweise die Abschaffung der Ruhetage, die nur auf Grund der Recherchen von JURios aufgedeckt wurde. Auch wenn Kolloquien und Podiumsdiskussionen immer nur eine Momentaufnahme sind und thematisch lediglich Einzelaspekte der juristischen Ausbildung beleuchten, ist es doch begrüßenswert, dass alle Betroffenen gemeinsam ins Gespräch kommen und ihre Ansichten und Gründe austauschen.


Zum Veranstaltungsbericht: https://www.uni-trier.de/

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