Wie Johannes Kepler seine Mutter vor einem Hexenprozess rettete

Den Mathematiker und Astronom Johannes Kepler kennt jedes Kind. Doch was man in der Schule nicht lernt, ist die grausame Verfolgung als Hexe, der sich seine Mutter, Katharina Kepler, ausgesetzt sah. Auf Grund der Bemühungen ihres berühmten Sohnes konnte sie Tod und Folter gerade noch entgehen.

Johannes Kepler wurde 1571 in Weil der Stadt geboren. Sein Vater, Heinrich Kepler, arbeitete als Händler und Söldner. Seine Mutter, Katharina Kepler, arbeitete bis zu ihrer Ehe mit 24 Jahren in der Gastwirtschaft ihrer Eltern. Die Kindheit von Johannes Kepler, der ein kränkliches Kind war, war keine glückliche. In seiner Autobiografie beschreibt er, dass zwischen seinen Eltern stets ein angespanntes Verhältnis herrschte. Nach einem kurzen Aufenthalt in Leonberg, führte das Ehepaar eine Gaststube in Ellmendingen. 1589 verließ Heinrich Kepler nach 18 Jahren Ehe endgültig seine Frau und die vier (von sieben) überlebenden Kinder. Katharina Kepler wurde schon damals vorgeworfen, ihren Mann durch Zauberei „vom Haus vertrieben“ zu haben, sodass „selbiger endlich im Krieg erbärmlich sterben und verderben mußte.“

Alleinstehende Frauen leichte Opfer

Katharina Keppler erbte das Geld ihres Mannes und ihres Vaters, sodass sie sich als alleinerziehende Mutter über Wasser halten konnte. Nach dem Auszug ihrer Kinder lebte Katharina Kepler alleine in Leonberg. 1615 wurde sie von der Gattin eines Glasers nach einem Streit beim herzoglichen Untervogt des Amtes Leonberg angezeigt. Sie soll der Frau einen bitteren Trank gegeben haben, an dem diese erkrankt sei. Mehrere benachbarte Familien schlossen sich den Vorwürfen an.

In Leonberg war genauso wie in vielen anderen Städten zu dieser Zeit der Aberglaube weit verbreitet. Die Bevölkerung suchte Gründe für Armut und Krankheit. Der Leonberger Vogt Lukas Einhorn bezichtigte während seiner Amtszeit insgesamt 15 Frauen der Hexerei. Acht dieser Frauen wurden zum Tode verurteilt – einer Strafe, der Katharina Kepler gerade noch entrinnen konnte.

Oft trafen die Vorwürfe alleinstehende Frauen, die sich nicht verteidigen konnten und nicht unter dem Schutz eines Ehemannes oder einer Familie standen. So erklären sich auch die Vorwürfe der Hexerei gegen Katharina Kepler. Ihre Söhne versuchten, die Mutter zu schützen, jedoch zunächst erfolglos.

Hexenprozess gegen Katharina Kepler

Der Hexenprozess gegen Katharina Kepler fand 1620/21 in Leonberg statt. Ihr wurde vorgeworfen 1616 einem Jungen einen Schadenszauber auferlegt zu haben. Der Junge warf ihr vor, sie am Arm gestreift und ihm einen elektrischen Schlag verpasst zu haben. Katharina Kepler wurde kurzeitig verhaftet, aber wieder freigelassen. Teil der Anklage waren auch die Vorwürfe der Frau des Glasers, die für den Schaden, den ihr der angebliche Hexentrank zugefügt hatte, einen Schadensersatz in Höhe von 1.000 Gulden von Katharina Kepler forderte. Das war wichtig, denn die seit 1532 gültige Constitutio Criminalis Carolina stellte die Zauberei (eigentlich) nur unter Strafe, wenn dadurch ein Schaden entstand.

Die Anklageschrift gegen Katharina Kepler umfasste 280 Seiten und wurde vor dem Amtsgericht Nördlingen eingereicht. Johannes Kepler selbst übernahm die Verteidigung seiner Mutter, die man jetzt nur noch „Hexe von Leonberg“ nannte. Während des Prozesses wurde die inzwischen 73-Jährige für 14 Monate rund um die Uhr von mehreren Männern in einem Kerker überwacht. Um sie zu einem Geständnis zu zwingen, wurden ihr Folterinstrumente gezeigt. Doch Katharina Kepler blieb standhaft, was ihr vermutlich das Leben rettete. Dass sie trotz Androhung von Folter keine Hexerei zugab, wertete das Gericht positiv. Der Prozesse endete 1621 mit einem Freispruch. Sechs Monate später, im April 1622, starb Katharina Keppler.

Verbrannt, ertränkt, zu Tode gefoltert

Johannes Kepler, der in Tübingen Theologie studiert hatte und bereits mit 23 Jahren einen Lehrauftrag für Mathematik in Graz bekam, durfte am Freispruch seiner Mutter großen Anteil gehabt haben. Er war von 1600-1612 kaiserlicher Hofmathematiker und machte sich als Astronom einen Namen. Dass er unnachgibig als Fürsprecher und Verteidiger seiner Mutter auftrat, dürfte das Gericht schwer beeindruckt haben.

Andere Frauen hatten weniger Glück als Katharina Kepler. Zwischen 1550 und 1650 wurde die Hexenverfolgung in Europa zur Massenbewegung. In Europa wurden schätzungsweise 40.000-60.000 Personen – hauptsächlich, aber nicht ausschließlich Frauen – als Hexen verbrannt, ertränkt oder zu Tode gefoltert.


Fundstelle: https://zeitreise-bb.de/k_kepler/

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